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Moderne Bauverträge – Kosten, Zeit, Qualität (Teil 3)

Vor­aus­ge­gan­gen sind Teil 1 und Teil 2

Nach einem Mehr­par­tei­en­ver­trag haben die Ver­trags­part­ner (Gene­ral­un­ter­neh­mer, Sub­un­ter­neh­mer wie Rohbauer/Dachdecker/Elektriker/etc.) bei einem Bau­pro­jekt zur Errei­chung des gemein­sa­men Pro­jekt­er­fol­ges zusam­men­zu­ar­bei­ten. Die Koope­ra­ti­on wird zu der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Leis­tungs­pflicht. Auch die Gegen­leis­tung, die Ver­gü­tung, eines sol­chen Mehr­par­tei­en­ver­tra­ges kann attrak­tiv aus­ge­stal­tet wer­den.

Inno­va­ti­ve Ver­gü­tungs­mo­del­le

Die Ver­gü­tung der (Sub-)Werkunternehmer hängt vom jewei­li­gen Pro­jekt­er­folg ab. Das Prin­zip nennt sich „PAINSHARE/GAINSHARE“. Alle Betei­lig­ten gewin­nen oder ver­lie­ren gleich­zei­tig. Der gemein­sa­me finan­zi­el­le Anreiz für ein Pro­jekt zur Errei­chung klar defi­nier­ter Zie­le för­dert den kol­lek­ti­ven Ansatz (auch Alli­anz­ver­trag genannt). Alle Betei­lig­ten stre­ben den Erfolg („Qua­li­tä­ten, Kos­ten, Zeit“) des Gesamt­pro­jek­tes an. Ver­gü­tun­gen und Gewin­ne redu­zie­ren sich bei Schlechtleistungen/Nichtleistungen, bei Kos­ten­er­hö­hun­gen und bei ver­spä­te­ter Fer­tig­stel­lung.

Rück­gang von Rechts­strei­tig­kei­ten

Ein solch inno­va­ti­ves Ver­gü­tungs­mo­dell zwingt die Betei­lig­ten zu inten­si­ver Kom­mu­ni­ka­ti­on unter­ein­an­der. Pro­ble­me wer­den prä­ven­tiv im Ansatz (gemein­sam) beho­ben. Kom­mu­ni­ka­ti­on und Koope­ra­ti­on sind Garan­ten für den Pro­jekt­er­folg. Alle Ver­trags­par­tei­en hal­ten sich gegen­sei­tig fort­lau­fend unter­rich­tet. Unter­schied­li­che Ansich­ten sol­len vor­ab und im kon­struk­ti­ven Dia­log zu einer ein­ver­nehm­li­chen Ent­schei­dung geführt. Falls zwi­schen den Par­tei­en kein Ein­stim­mig­keits­prin­zip erfol­gen kann, muss die Grup­pe Mehr­heits­ent­schei­dun­gen fäl­len.

Ein sol­ches Vor­ge­hen führt nach­weis­lich zu einem signi­fi­kan­ten Rück­gang von Recht­strei­tig­kei­ten. Aus Eng­land sind in den letz­ten 15 Jah­ren ledig­lich zwei Recht­strei­te auf der Basis von sol­chen Mehr­par­tei­en­ver­trä­gen bekannt gewor­den, wie der Deut­sche Bau­ge­richts­tag berich­te­te.

Mehr­par­tei­en­ver­trä­ge emp­feh­lens­wert

Mehr­par­tei­en­ver­trä­ge bie­ten sich ins­be­son­de­re für grö­ße­re und kom­ple­xe­re Bau­vor­ha­ben an, die ins­be­son­de­re meh­re­re Mona­te oder gar Jah­re dau­ern. Sie bie­ten den Vor­teil, dass die Par­tei­en durch die Ver­trags­kon­struk­ti­on so gebun­den sind, dass jeder Streit, der nicht recht­zei­tig ver­mie­den oder geschlich­tet wer­den kann, emp­find­li­che finan­zi­el­le Nach­tei­le brin­gen oder Gewinn­chan­cen ver­ei­teln kann. Im Ergeb­nis dürf­ten damit auch die Belas­tung von (Schieds-)Gerichten für sol­che Fäl­le zurück­ge­hen.

Autoren:

Rechts­an­walt Den­nis Wie­gard

Rechts­an­walt Dr. Die­ter Jas­per

Düs­sel­dorf, den 13.08.2019

Veröffentlicht in Baurecht