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Moderne Bauverträge – Kosten, Zeit, Qualität (Teil 2)

Wie wir bereits im Teil 1 unse­rer Rei­he zu moder­nen Bau­ver­trä­gen berich­tet hat­ten, kön­nen Mehr­par­tei­en­ver­trä­ge bei Bau­vor­ha­ben dabei hel­fen, Kos­ten zu ver­rin­gern, Zeit zu spa­ren und trotz­dem die gefor­der­te Qua­li­tät zu sichern.

Gegen­wär­ti­ge Ver­trags­pra­xis

In Deutsch­land schließt der Bau­herr in der Regel einen Ver­trag mit dem Gene­ral­un­ter­neh­mer. Der wie­der­um schließt Ver­trä­ge mit den Sub­un­ter­neh­mern (Rohbauer/Dachdecker/Elektriker/etc.). Der jewei­li­ge Sub­un­ter­neh­mer wie­der­um schließt einen Ver­trag mit sei­nem Lie­fe­ran­ten. Das sind jeweils soge­nann­te Zwei-Par­tei­en-Ver­trä­ge. In die­ser Struk­tur ver­folgt jede Par­tei pri­mär ihr eige­nes Inter­es­se gegen­über ihrer Ver­trags­par­tei. Die ande­ren Ver­trags­ver­hält­nis­se sind ihr noch nicht ein­mal bekannt.  Das führt oft zu Kom­pli­ka­tio­nen bei der Abwick­lung des gesam­ten Bau­vor­ha­bens (Pro­ble­me bei Bud­ge­tie­rung, Bedarfs­er­mitt­lung, Ter­min­rah­men, Risi­ko­ma­nage­ment, Risi­ko­aver­si­on). Zudem ist die oft strik­te Tren­nung zwi­schen Bau- und Pla­nungs­pha­se sel­ten hilf­reich.

Mehr­par­tei­en­ver­trä­ge

Bei einem Mehr­par­tei­en­ver­trag sind alle Par­tei­en in einem ein­zi­gen Ver­trags­werk ver­bun­den. Der gemein­sa­me Pro­jekt­er­folg steht im Vor­der­grund. Alle Betei­lig­ten soll als „Part­ner“ das Vor­ha­ben umset­zen und för­dern, gleich­sam eine „Gemein­schaft“ (als Alli­anz) bil­den. Dafür wer­den im eng­li­schen Sprach­ge­brauch  die Begrif­fe „Part­ne­ring“ und „Pro­ject Alli­an­cing“ ver­wen­det. Mehr­par­tei­en­ver­trä­ge sol­len so gestal­tet wer­den, dass alle Betei­lig­ten sich gegen­sei­tig infor­mie­ren und mit­ein­an­der koope­rie­ren. Die ver­trag­li­chen Struk­tu­ren wer­den so geschaf­fen, dass eine Len­kung der Ver­hal­tens­wei­sen jeder Par­tei erreicht wird. Es wer­den kla­re Zie­le defi­niert, die mit koope­ra­ti­ver Zusam­men­ar­beit erreicht wer­den sol­len.

Zusam­men­wir­ken aller Par­tei­en

Die ver­schie­de­nen Part­ner wer­den ver­pflich­tet, zur Errei­chung des gemein­sa­men Pro­jekt­er­fol­ges zusam­men­zu­ar­bei­ten. Die Koope­ra­ti­on wird zur ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Leis­tungs­pflicht. Auch kann eine Koope­ra­ti­on durch inno­va­ti­ve Ver­gü­tungs­mo­del­le wie „PAINSHARE/GAINSHARE“ erreicht wer­den, bei dem jede teil­ha­ben­de Par­tei an den finan­zi­el­len Gewin­nen und Ver­lus­ten im Rah­men des Gesamt­pro­jek­tes betei­ligt wird. Wie bei einer Mann­schafts­sport­art geht es um den Erfolg als Team. Man gewinnt zusam­men und man ver­liert zusam­men.

Wie ein sol­cher Mehr­par­tei­en­ver­trag gestal­tet wer­den könn­te und wel­che Fak­to­ren dabei berück­sich­tigt wer­den müs­sen, berich­ten wir in dem nächs­ten Teil die­ser Blog-Rei­he.

Autoren:

Rechts­an­walt Den­nis Wie­gard

Rechts­an­walt Dr. Die­ter Jas­per

Düs­sel­dorf, den 16.07.2019

Veröffentlicht in Baurecht