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Moderne Bauverträge – Kosten, Zeit, Qualität (Teil 1)

Vie­le Bau­vor­ha­ben in Deutsch­land sind teu­rer, dau­ern län­ger und ent­spre­chen nicht der Qua­li­tät wie geplant. Bereits in den USA und Eng­land hat es vor meh­re­ren Jah­ren Unter­su­chun­gen dar­über gege­ben, dass auch dort Pro­ble­me mit Kos­ten, Zei­ten und Qua­li­tä­ten auf­tra­ten. Um die­se Pro­ble­me zu ver­mei­den oder ein­zu­däm­men, hat es Unter­su­chun­gen von Uni­ver­si­tä­ten gege­ben. Dabei ist man u.a. zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass eine mög­li­che Stell­schrau­be zur Ver­än­de­rung zum Bes­se­ren die Abkehr von den rein bila­te­ra­len Ver­trä­gen (also nur zwei Ver­trags­par­tei­en) und Zuwen­dung zu soge­nann­ten Mehr­par­tei­en­ver­trä­gen hilf­reich sein könn­te.

Pro­ject Partnering/Project Alli­an­cing

Bereits der Arbeits­kreis XI des 7. Deut­schen Bau­ge­richts­tags (Mai 2018) hat auf die­se Pro­ble­ma­tik hin­ge­wie­sen und Ver­bes­se­rungs­be­darf fest­ge­stellt. Der 7. Deut­sche Bau­ge­richts­tag nimmt Bezug auf die seit lan­gem im Aus­land prak­ti­zier­ten Ver­trä­ge wie „PROJECT PARTNERING“ und „PROJECT ALLIANCING“. In Eng­land wer­den die­se Ver­trä­ge PPC 2000, also ein Mul­ti-Par­ty-Con­tract, genannt. In den USA wird die Bezeich­nung „Inte­gra­ted Pro­ject Deli­very (IPD)“ ver­wen­det.

Erfah­run­gen mit die­sen Model­len

Erstaun­lich ist, dass die­se Ent­wick­lun­gen in Eng­land und USA erst so spät und zöger­lich in Deutsch­land über­nom­men wur­den. So greift Frau Pro­fes­sor Dr. Bar­ba­ra Dau­ner-Lieb die­se Pro­ble­ma­tik in der neus­ten Ver­öf­fent­li­chung in der NZB 6/2019 (S. 339 ff.) auf. Sie zitiert unter Bezug­nah­me auf Brey­er und Sakal (Brey­er, Part­ne­ring-Model­le — ein inter­na­tio­na­ler Ver­gleich, in Ber­ner, Pla­nen, Errich­ten und Betrei­ben – Digi­ta­li­sie­rung im Bau, 4. Int. BBB-Kon­gress, Tagungs­band, S. 165 (169); Sakal, Lean Con­struc­tion Jour­nal 1/2005, Bd. 2, 67 (69) ein sehr plas­ti­sches Bei­spiel, wie Mehr­par­tei­en­ver­trä­ge wir­ken kön­nen:

„Sechs Mona­te schnel­ler und £ 160 Mio. güns­ti­ger“

„Exem­pla­risch genannt sei das Bei­spiel der Errich­tung einer Ölbohr­platt­form in der Nord­see in den frü­hen 1990er Jah­ren: Die Betei­lig­ten strit­ten sich nicht wegen Nach­trä­gen oder unkla­rer Ver­trags­aus­le­gung, son­dern such­ten gemein­sam und mög­lichst schnell nach effek­ti­ven Lösun­gen. Ein­spa­run­gen von Kos­ten wirk­ten sich, wie ver­trag­lich vor­ge­se­hen, nach ver­ein­bar­ten Quo­ten auf die Ver­gü­tung der Betei­lig­ten aus. Die­se konn­ten somit selbst am Mehr­wert­ge­winn des Pro­jekts teil­ha­ben. Als gemein­sa­mer Erfolg konn­te erreicht wer­den, dass das Pro­jekt sechs Mona­te frü­her als geplant und für nur £ 290 Mio. statt £ 450 Mio. fer­tig­ge­stellt wer­den konn­te.“

Die­ses Bei­spiel ist so ein­drucks­voll, dass sich die Über­le­gun­gen und auch der Anstoß loh­nen, dar­über nach­zu­den­ken, ob nicht gera­de in Deutsch­land Mehr­par­tei­en­ver­trä­ge für (kom­ple­xe) Bau­vor­ha­ben eine Lösung sein könn­ten, die immer wie­der auf­tre­ten­den Pro­ble­ma­ti­ken bei Bau­ver­trä­gen, näm­lich Kos­ten, Zeit und Qua­li­tät zu ver­bes­sern.

In der nächs­ten Zeit wol­len wir daher in ver­schie­de­nen Blog-Bei­trä­gen uns die­ser Fra­ge anneh­men und unter­su­chen, ob die Mehr­par­tei­en­ver­trä­ge zumin­dest einen Lösungs­an­satz bie­ten kön­nen.

Autoren:         

Rechts­an­walt Den­nis Wie­gard                      Rechts­an­walt Dr. Die­ter Jas­per

Düs­sel­dorf, den: 28.06.2019

Veröffentlicht in Baurecht