Moderne Bauverträge – Kosten, Zeit, Qualität (Teil 1)

28. Juni 2019 0 Von Dennis Wiegard

Viele Bauvorhaben in Deutschland sind teurer, dauern länger und entsprechen nicht der Qualität wie geplant. Bereits in den USA und England hat es vor mehreren Jahren Untersuchungen darüber gegeben, dass auch dort Probleme mit Kosten, Zeiten und Qualitäten auftraten. Um diese Probleme zu vermeiden oder einzudämmen, hat es Untersuchungen von Universitäten gegeben. Dabei ist man u.a. zu dem Ergebnis gekommen, dass eine mögliche Stellschraube zur Veränderung zum Besseren die Abkehr von den rein bilateralen Verträgen (also nur zwei Vertragsparteien) und Zuwendung zu sogenannten Mehrparteienverträgen hilfreich sein könnte.

Project Partnering/Project Alliancing

Bereits der Arbeitskreis XI des 7. Deutschen Baugerichtstags (Mai 2018) hat auf diese Problematik hingewiesen und Verbesserungsbedarf festgestellt. Der 7. Deutsche Baugerichtstag nimmt Bezug auf die seit langem im Ausland praktizierten Verträge wie „PROJECT PARTNERING“ und „PROJECT ALLIANCING“. In England werden diese Verträge PPC 2000, also ein Multi-Party-Contract, genannt. In den USA wird die Bezeichnung „Integrated Project Delivery (IPD)“ verwendet.

Erfahrungen mit diesen Modellen

Erstaunlich ist, dass diese Entwicklungen in England und USA erst so spät und zögerlich in Deutschland übernommen wurden. So greift Frau Professor Dr. Barbara Dauner-Lieb diese Problematik in der neusten Veröffentlichung in der NZB 6/2019 (S. 339 ff.) auf. Sie zitiert unter Bezugnahme auf Breyer und Sakal (Breyer, Partnering-Modelle – ein internationaler Vergleich, in Berner, Planen, Errichten und Betreiben – Digitalisierung im Bau, 4. Int. BBB-Kongress, Tagungsband, S. 165 (169); Sakal, Lean Construction Journal 1/2005, Bd. 2, 67 (69) ein sehr plastisches Beispiel, wie Mehrparteienverträge wirken können:

„Sechs Monate schneller und £ 160 Mio. günstiger“

„Exemplarisch genannt sei das Beispiel der Errichtung einer Ölbohrplattform in der Nordsee in den frühen 1990er Jahren: Die Beteiligten stritten sich nicht wegen Nachträgen oder unklarer Vertragsauslegung, sondern suchten gemeinsam und möglichst schnell nach effektiven Lösungen. Einsparungen von Kosten wirkten sich, wie vertraglich vorgesehen, nach vereinbarten Quoten auf die Vergütung der Beteiligten aus. Diese konnten somit selbst am Mehrwertgewinn des Projekts teilhaben. Als gemeinsamer Erfolg konnte erreicht werden, dass das Projekt sechs Monate früher als geplant und für nur £ 290 Mio. statt £ 450 Mio. fertiggestellt werden konnte.“

Dieses Beispiel ist so eindrucksvoll, dass sich die Überlegungen und auch der Anstoß lohnen, darüber nachzudenken, ob nicht gerade in Deutschland Mehrparteienverträge für (komplexe) Bauvorhaben eine Lösung sein könnten, die immer wieder auftretenden Problematiken bei Bauverträgen, nämlich Kosten, Zeit und Qualität zu verbessern.

In der nächsten Zeit wollen wir daher in verschiedenen Blog-Beiträgen uns dieser Frage annehmen und untersuchen, ob die Mehrparteienverträge zumindest einen Lösungsansatz bieten können.

Autoren:         

Rechtsanwalt Dennis Wiegard                      Rechtsanwalt Dr. Dieter Jasper

Düsseldorf, den: 28.06.2019